Polizeinews-Ratgeber: Einbruchschutz – so sichern Sie Haus und Betrieb in den Ferien

Die Sommerferien haben begonnen – und damit auch eine der einbruchsreichsten Zeiten des Jahres. Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2024 des Bundesamts für Statistik wurden in der Schweiz 46’070 Einbruch- und Einschleichdiebstähle registriert – ein Anstieg von 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Höchststand. Das entspricht durchschnittlich 126 Fällen täglich.

Wer jetzt verreist, sollte sein Zuhause und seinen Betrieb nicht dem Zufall überlassen.

Einbrüche passieren nicht nur nachts und nicht nur in reichen Quartieren. Die Schweizerische Kriminalprävention (SKP) hält fest: Viele Einbrüche in Wohnungen und Häuser finden tagsüber statt – dann, wenn die meisten Menschen bei der Arbeit oder in den Ferien sind. Einbrecher sind opportunistisch: Sie suchen den einfachsten Weg, wählen Objekte aus, die unbewohnt wirken, und geben auf, wenn sie auf Widerstand stossen. Jede Massnahme, die den Einbruch erschwert und verlangsamt, erhöht die Chance, dass die Täterschaft aufgibt.

Wie Einbrecher vorgehen – und was sie abschreckt

Die Kantonspolizei Aargau weist in ihrer Präventionsarbeit auf eine wichtige Erkenntnis hin: Nicht der Wille des Einbrechers ist entscheidend, sondern der Zeitfaktor. Haben die Täter keinen Erfolg, sind sie nach wenigen Minuten wieder weg. Schraubenzieher und Stemmeisen sind laut SKP bis heute die häufigsten Werkzeuge – kompakt, unauffällig und schnell eingesetzt. Die Einstiegsstellen sind in der Regel Türen und Fenster im Erdgeschoss, Kellerfenster, Terrassentüren und Lichtschächte.

Laut SKP sind die häufigsten Schwachstellen:

  • Gekippte Fenster – laut SKP sind diese für Einbrecher fast so einfach zu öffnen wie ein offenes Fenster
  • Unverschlossene Haustüren und Nebeneingänge
  • Einfache Standardschlösser ohne Mehrpunktverriegelung
  • Kellerlichtschächte ohne Gitterrost
  • Leitern oder Gerüste, die am Haus stehen gelassen wurden
  • Volle Briefkästen und ungemähte Rasenflächen als Signal für Abwesenheit

Die Kantonspolizei Aargau ergänzt: „Wenn der Einbrecher hinein will, dann kann er das auch!» – aber: Jedes zusätzliche Hindernis wirkt abschreckend. Und Einbrecher wollen keine Zeit verlieren.


Glastüren und Terrassentüren gehören zu den häufigsten Einstiegspunkten – wer sie nicht zusätzlich sichert, erleichtert Eindringlingen die Arbeit erheblich.

Checkliste vor der Abreise: Wohnung und Haus

Die folgenden Massnahmen stammen direkt aus den Empfehlungen der Schweizerischen Kriminalprävention (SKP), der Kantonspolizeien Zürich, Aargau, Thurgau, Bern und St. Gallen sowie aus der Publikation «Gegen Einbruch kann man sich schützen» der SKP:

Türen und Fenster:

  • Alle Türen abschliessen – auch Neben- und Kellereingänge. Bei Türen mit Möglichkeit: Schlüssel zweimal umdrehen
  • Alle Fenster vollständig schliessen – kein Kippen, auch nicht in oberen Stockwerken
  • Balkontüren und Terrassentüren vollständig verschliessen
  • Kellerlichtschächte mit einbruchhemmenden Gitterrosten sichern
  • Leitern, Gartenmöbel oder andere Kletterhelfer wegräumen oder einschliessen

Anwesenheit simulieren:

  • Zeitschaltuhren für Innenbeleuchtung – Licht ist das «A und O» der Einbruchprävention. Helle, stromsparende LED-Lampen mit Zeitschaltuhr simulieren Anwesenheit wirkungsvoll
  • Rollläden nicht dauerhaft geschlossen lassen – das signalisiert Abwesenheit. Besser mit Zeitschaltuhr steuern
  • Radio oder Fernseher mit Zeitschaltuhr – Geräusche und Licht täuschen Anwesenheit vor
  • Keine Ferienankündigungen in sozialen Medien – die SKP warnt ausdrücklich davor, öffentlich zu kommunizieren, dass niemand zu Hause ist

Briefkasten und Umgebung:

  • Briefkasten regelmässig leeren lassen – durch Nachbarn, Bekannte oder den Postservice «Briefkastenservice» der Post Schweiz
  • Paketzustellungen stoppen oder umleiten
  • Rasen mähen lassen oder entsprechend vorbereiten – ein ungepflegter Garten wirkt verlassen
  • Auto nicht für mehrere Wochen unverändert vor dem Haus stehen lassen

Wertsachen sichern:

  • Bargeld, Schmuck, Dokumente und wichtige Daten in einem eingemauerten oder verankerten Tresor aufbewahren
  • Wertsachen fotografieren und Seriennummern notieren – erleichtert die Erstattungsmeldung bei der Versicherung
  • Reserveschlüssel nie unter der Fussmatte, im Blumentopf oder am Türrahmen verstecken

Die wirksamste Massnahme: Die Nachbarschaft

Sowohl die SKP als auch die Kantonspolizei Aargau betonen: Eine gute Nachbarschaft gehört zu den wirksamsten Massnahmen überhaupt.

Konkret empfehlen die Kantonspolizeien:

  • Nachbarn über die Abwesenheit informieren und bitten, auf das Haus zu achten
  • Nachbarn bitten, abends ab und zu Licht zu machen oder die Rollläden zu bedienen
  • Fremde, die sich auffällig in der Nachbarschaft aufhalten, ansprechen oder der Polizei melden
  • Verdächtige Fahrzeuge oder Personen notieren und bei Verdacht die Notrufnummer 117 anrufen

Die Kantonspolizei Aargau hält fest, dass sich Tatorte häufig entlang von Autobahnen und Hauptverkehrsachsen konzentrieren – ein Hinweis, dass sogenannte «Kriminaltouristen» am Werk sind, die schnell und weiträumig vorgehen.

Technische Hilfsmittel: Was wirklich wirkt

Roger Grab, Sicherheitsspezialist bei der Stadtpolizei Zürich, warnt in einem SRF-Interview ausdrücklich vor falscher Sicherheit durch technische Gadgets: „Einbrecher sind nicht blöd.» Das bedeutet: Technik allein ist keine Lösung – sie wirkt am besten in Kombination mit mechanischen Sicherungen und aufmerksamer Nachbarschaft.

Was die SKP und die Kantonspolizeien raten:

  • Mechanische Sicherungen zuerst: Türen mit Mehrpunktverriegelung, Fenster mit Pilzkopfzapfen oder aufschraubbaren Zusatzsicherungen. Die SKP-Broschüre «Gegen Einbruch kann man sich schützen» erklärt die Widerstandsklassen (RC 1 bis RC 6) – je höher die Klasse, desto mehr Zeit braucht ein Einbrecher für den Zutritt
  • Alarmanlagen: Wirken abschreckend und alarmieren im Ernstfall einen Sicherheitsdienst oder die Polizei. Eine Kombination aus mechanischen und elektronischen Sicherungen verbessert den Schutz wesentlich (SKP)
  • Bewegungsmelder mit Aussenbeleuchtung: Schreckt Einbrecher ab, die unbemerkt bleiben wollen
  • Videokameras: Abschreckende Wirkung und Dokumentation für die Strafverfolgung – im Innenbereich und bei öffentlich zugänglichen Bereichen gelten datenschutzrechtliche Anforderungen des revidierten Datenschutzgesetzes (nDSG)
  • Fernüberwachung per App: Moderne Systeme ermöglichen die Überwachung von unterwegs – nützlich, aber kein Ersatz für mechanischen Schutz

Was eine Überwachungskamera festhält – Bildmaterial wie dieses kann für die Strafverfolgung entscheidend sein. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen ist gering: Umso wichtiger sind Prävention und gute Dokumentation.

Wohnungen in Mehrfamilienhäusern: Besonderheiten beachten

Einbrüche betreffen nicht nur Einfamilienhäuser. Die Kantonspolizei Thurgau hält ausdrücklich fest: „Eingebrochen wird – entgegen der weit verbreiteten Meinung – nicht nur in Einfamilienhäuser.» Für Mieterinnen und Mieter in Mehrfamilienhäusern gelten zusätzliche Empfehlungen der SKP:

  • Wohnungstüre auch bei kurzer Abwesenheit abschliessen – nicht nur ins Schloss fallen lassen
  • Haupteingang nur Bekannten und erwarteten Personen öffnen
  • Unbekannte Personen im Treppenhaus ansprechen
  • Keller und Veloabstellräume stets abschliessen – E-Bikes sind besonders begehrte Beute
  • Keine Wertsachen in Kellerabteilen oder der Tiefgarage lagern

Schutz für Betriebe und Gewerbe während der Betriebsferien

Laut SKP betrifft fast die Hälfte aller Einbruchdiebstähle den öffentlichen oder gewerblichen Bereich – also Verkaufsräume, Büros, Lager und Gewerbebetriebe. Die Kantonspolizei Aargau erklärt: Einbrecher, die Geschäfte und Betriebe heimsuchen, haben ihr Ziel oft vorher ausgekundschaftet und kennen die baulichen Schwachstellen.

Was die Polizei und die SKP für Betriebe empfehlen:

  • Mehrstufiges Sicherheitskonzept: Mechanische Sicherungen (Türen, Fenster, Tore) kombiniert mit einer durchdachten Alarmanlage und Videoüberwachung – jede Branche hat andere Anforderungen, eine individuelle Beratung durch die Polizei lohnt sich
  • Bargeld nicht im Betrieb lassen: Kassen vor dem Verlassen leeren und offen stehend hinterlassen – so sehen Einbrecher sofort, dass kein Bargeld vorhanden ist, was unnötige Sachschäden reduziert
  • Alarmanlage aktivieren und prüfen: Vor längerer Betriebsabwesenheit den Funktionstest der Anlage durchführen
  • Zeitschaltuhren für Beleuchtung: Auch im Betrieb simuliert abwechslungsweise Beleuchtung Anwesenheit und schreckt ab
  • Ansprechperson definieren: Eine Person aus dem Betrieb oder dem Umfeld sollte im Notfall erreichbar sein und den Alarm entgegennehmen können
  • Versicherungsschutz prüfen: Vor den Ferien prüfen, ob die Betriebsversicherung Einbruchschäden abdeckt und ob besondere Sicherheitsmassnahmen vorausgesetzt werden
  • Videoüberwachung datenschutzkonform betreiben: Seit dem revidierten Datenschutzgesetz (nDSG) sind die Anforderungen an Videoüberwachung im Gewerbe gestiegen – Hinweisschilder sind Pflicht, Aufnahmen müssen sicher gespeichert und nach der gesetzlichen Frist gelöscht werden

Was tun, wenn Sie einen Einbruch bemerken?

Die Kantonspolizei Zürich und die SKP geben klare Anweisungen für den Ernstfall:

  • Notruf 117 anrufen – sofort und ohne zu zögern. Bei einem laufenden Einbruch: Polizeinotruf 117 oder Notruf 112
  • Nicht selbst eingreifen: Spielen Sie nicht den Helden. Wenn ein Einbruch in Ihrer Anwesenheit stattfindet, verlassen Sie schnellstmöglich den Tatort und bringen Sie sich in Sicherheit
  • Tatort nicht betreten: Verändern Sie am Tatort nichts – die Polizei sichert Spuren, die für die Aufklärung entscheidend sein können
  • Versicherung informieren: Nach der polizeilichen Spurensicherung umgehend die Hausrat- oder Betriebsversicherung kontaktieren
  • Schäden dokumentieren: Fotos machen, Liste der gestohlenen Gegenstände erstellen

Die SKP weist darauf hin: Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen ist tief – laut der Kriminalstatistik werden weniger als zwei von zehn Einbrüchen aufgeklärt. Umso wichtiger ist die Prävention.

Kostenlose Sicherheitsberatung der Kantonspolizei

Alle Schweizer Kantonspolizeien bieten kostenlose, individuelle Sicherheitsberatungen an. Fachleute der Kriminalprävention besichtigen dabei Ihre Liegenschaft oder Ihr Geschäft und geben konkrete Empfehlungen, wie und an welchen Stellen der Einbruchschutz verbessert werden könnte. Diese Beratungen sind unabhängig und kostenlos. Kontakt über die Website der jeweiligen Kantonspolizei oder die Schweizerische Kriminalprävention (skppsc.ch).

Video-Tipp 1: Tipps der Polizei – so schützen Sie Ihr Zuhause

Die Polizei erklärt kompakt, warum mechanische Sicherungen die wichtigste Grundlage jedes Einbruchschutzes sind – und was Einbrecher wirklich abschreckt:



Video-Tipp 2: Wie lange braucht ein Einbrecher wirklich?

Dieses aktuelle Video zeigt eindrücklich, wie schnell ein ungesichertes Haus zum Ziel werden kann – und welche konkreten Massnahmen wirklich einen Unterschied machen:



Video-Tipp 3: Kostenlose Beratung durch die Kriminalpolizei

Wie eine kostenlose kriminalpolizeiliche Beratung vor Ort abläuft und was die Experten dabei prüfen – anschaulich erklärt am konkreten Beispiel:



Fazit: Einbruchschutz ist kein Luxus

Die Zahlen sind eindeutig – und die Botschaft der Schweizer Polizeikorps ebenso: Einbruchschutz beginnt nicht mit teurer Technik, sondern mit konsequent verschlossenen Türen und Fenstern, einer aufmerksamen Nachbarschaft und der Simulation von Anwesenheit. Wer diese Grundlagen ernst nimmt, erhöht seine Sicherheit deutlich. Und wer unsicher ist, holt sich kostenlose Beratung bei der Kantonspolizei – bevor die Ferien beginnen.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Kirk Fisher/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Prostock-studio/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Prostock-studio/Shutterstock.com

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